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Kann KI ein Bewusstsein haben? Ein Bonner Philosoph sucht fünf Jahre lang nach Ausschlusskriterien
Die DFG fördert Wanja Wiese mit bis zu 570.000 Euro. Er untersucht, woran man erkennen kann, dass KI-Systeme oder Hirnorganoide nicht bewusst sind.

Die Frage, ob ein Chatbot „etwas fühlt“, taucht in Diskussionen inzwischen ständig auf. Meistens bleibt es beim Bauchgefühl. Umso spannender finde ich, dass sich jemand jetzt fünf Jahre lang ganz systematisch damit beschäftigen darf: Die Universität Bonn hat am 30. Oktober bekanntgegeben, dass der Philosoph und Mathematiker Wanja Wiese in das Heisenberg-Programm der DFG aufgenommen wurde.
Nicht beweisen, sondern ausschließen
Interessant ist der Ansatz. Wiese sagt selbst, dass es keine allgemeingültige Definition dafür gibt, wann ein System bei Bewusstsein ist. Statt also zu versuchen, Bewusstsein bei einer Maschine nachzuweisen, sucht er nach Kriterien, mit denen man ausschließen kann, dass bestimmte künstliche Systeme bewusst sind. Das klingt bescheidener, ist aber wohl der ehrlichere Weg.
Ein Schwerpunkt ist die Künstliche Intelligenz. Aktuelle KI-Systeme wirken kognitiv beeindruckend, aber laut Wiese ist offen, ob ihre Hardware die Eigenschaften hat, die für Bewusstsein nötig wären. Es geht also nicht nur darum, was ein Modell antwortet, sondern auch darum, worauf es läuft.
Der zweite Fall: Organoide
Der zweite Schwerpunkt sind neurale Organoide, also aus Stammzellen gezüchtete dreidimensionale Zellkulturen, die Teile der Hirnentwicklung nachbilden. Sie werden in der Medizin- und Medikamentenforschung genutzt, und je weiter sie sich entwickeln, desto öfter stellt sich dieselbe Frage wie bei der KI. Bonn passt dafür gut, weil die Uni in der Organoid-Forschung stark ist.
Die Eckdaten
Die Förderung beträgt bis zu 570.000 Euro. Sie läuft zunächst drei Jahre und kann nach einer positiven Zwischenbewertung um zwei Jahre verlängert werden. Wiese arbeitet seit August am Institut für Wissenschaft und Ethik.
Ich finde es gut, dass diese Debatte so ernsthaft geführt wird, bevor sie uns von den Produkten überholt. Die Mitteilung der Universität Bonn hat weitere Details.
Quelle: uni-bonn.de